ZurückGeblickT: Was sich die Stadt leisten will

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Die Glocke, Gütersloh vom 21.April 2012

Von dem Redaktionsmitglied GERRIT DINKELS
Die Diskussion um das Hallenbad wird uns noch, eine Weile beschäftigen. Wie kam es dazu? Am Anfang stand eine Mängelliste, die das Hallenbad an der Herzebrocker Straße marode aussehen ließ. Der dama-lige Geschäftsführer Lorenz Siepe und Bäderchef Michael Sucker erklarten 2010, das Bad müsse bei einer Sanierung komplett entkernt und neu aufgebaut werden: mit Heizzentrale, Installationen, Leitungen und vor allem auch einem energetischen Upgrade. Im Bestand zu arbeiten, sei überdies teurer als neu zu bauen. Die Kosten für eine Sanierung bezifferte Siepe auf gut 5,2 Millionen Euro. Allein — das Gutachten hat bis heute niemand gesehen.

Der Sanierung wurde die Sparvariante einer Schwimmhalle am Nordbad gegenübergestellt für knapp 3,4 Millionen Euro. Nach Protesten ist davon keine Rede mehr Schon jetzt steht fest: Selbst ohne Sprung-turm, aber mit Lehrschwimmbecken, würde ein Neubau die Sanierungskosten erreichen. Denn zu den reinen Hallenkosten gesellen sich am Nordbad Ausgaben fiir Umkleiden und Duschen. Mit Sprungturm durften sich die Kosten Richtung sechs statt fünf Millionen Euro bewegen. Wenn die Zahlen auf dem Tisch liegen, und damit darf Geschäftsführer Ralf Libuda nicht lange hinter dem Berg halten, muss die Debatte — wie versprochen — neu geführt werden: Was gehört zu den "Grundbedürfnissen der öffent-lichen Daseinsvorsorge“, was will sich die Stadt leisten? Und weniger Komfort für mehr Geld, das kann eigentlich nicht sein.

Hallenbad-Neubau wird teurer als erwartet

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nw-news.de vom 17.04.2012

Gütersloh. (HOLGER KOSBAB) Der vom Gütersloher Schwimm- und Schulsport benötigte Sprungturm dürfte bei den Planungen der Stadtwerke Gütersloh (SWG) für einen Hallenbad-Neubau zum Knackpunkt zu werden. Während das ebenfalls geforderte Lehrschwimmbecken berücksichtigt werde, gelte dies für den Turm weiterhin nicht, kritisierte Hans-Dieter Hucke, Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Gütersloh. Zudem werde das Bad in jedem Fall teurer als erwartet.

 Hucke ist Mitglied der Arbeitsgruppe aus Aktiven, die die Bedürfnisse der Vereine und Schulen einbringen, und Vertretern der SWG und der Verwaltung. Bei einem zweiten Treffen hatte die mit der Planung beauftragte Ingenieur-Gesellschaft Constrata (Bielefeld) Zahlen genannt, wonach die Kosten stiegen, sagte Hucke. Waren die Neubaukosten für die Grundversion in Modulbauweise bisher bei 3,4 Millionen angesetzt - hinzu kämen das Lehrschwimmbecken, der Sprungturm und die Erweiterung der Umkleiden und Duschen -, so fehlten die Planungskosten. Dadurch rücke ein Neubau in den Bereich der Sanierungskosten für das alte Bad an der Herzebrocker Straße. Aber auch dort müsse neu berechnet werden, da die bisherige Kalkulation überholt sei und mit der Fundamentsanierung sechs Millionen koste, meinte Hucke.

Das Aktionsbündnis für ein sportgerechtes Hallenbad, zu dem neben der DLRG unter anderem der Schwimmverein und die Behinderten-Sportgemeinschaft gehören, sei dabei kompromissbereit: Statt des 3-Meter-Turms sei ein 1-Meter-Brett "eine denkbare Lösung, damit man uns nicht als völlig unnachgiebig bezeichnet", sagte Hucke. Dies würde Geld sparen, da die Wassertiefe nur 3,50 Meter (statt 3,80) betragen und das Dach nicht so hoch sein müsse. Bei 1.500 Ausbildungssprüngen sei eine Sprung-möglichkeit unbedingt notwendig. Dem Vorschlag der SWG, alle Sprünge auf die Sommersaison im Nordbad zu verschieben oder sie in Herzebrock-Clarholz abzunehmen, erteilt er eine klare Absage.

Kalkül vermutet Hucke hinter dem Auftrag für Constrata. Das Unternehmen hatte auch das Osnabrücker Hallenbad geplant, als dort der heutige SWG-Geschäftsführer Ralf Libuda tätig war.Hucke denkt, dass die Planer auf die SWG-Richtung eingeschworen seien. Denn Libudas Handeln unterscheide sich von dem, was er sage: dass er eine einvernehmliche Lösung wolle.

Bis Ende Juni sollen die Planungen so weit sein, dass sie zu einem Beschluss führen können, sagte SWG-Sprecher Roland Stüwe. Zu einem neuen Kostenrahmen machte er keine Angaben. Die SWG hielten sich daran, nicht über den Stand der Arbeitsgruppe zu reden. Erst wenn Ergebnisse mit der bestmöglichen Lösung vorlägen, würden diese präsentiert, erklärte Stüwe im Namen Libudas.

Durch die vormals offenbar zu niedrig angesetzten Kosten sieht Peter Offers (Schwimmverein) eine weitere Gefahr: Die Vereine und Schulen hatten ihre Vorschläge zur Gestaltung eines Neubaus auf Basis der alten Kalkulation gemacht. Nun könne es sein, dass diese durch die aktualisierten Kosten nicht realisierbar seien. Dann wäre es wichtig, "nochmal mit vernünftigen Zahlen agieren zu können". Ansonsten könnte die Glaubwürdigkeit des Bündnisses leiden und eine politische Entscheidung schwieriger werden. Offers favorisiert einen Neubau auf dem Nordbad-Gelände an der Goethestraße. Ein Alternativstandort wäre entlang der Kahlertstraße, dem würden jedoch die heutigen DLRG-Räume zum Opfer fallen.

"Ich hoffe, dass die Arbeitsgruppe wirklich als Gruppe an einem runden Tisch arbeitet und nicht gegeneinander", sagte Annette Böker (Behinderten-Sportgemeinschaft). "Für uns ist Barrierefreiheit am wichtigsten. Doch soweit kommen wir gar nicht." Bisher ende jede Diskussion am Knackpunkt Sprungturm.

Hallenbad auch ohne Sprungturm teurer

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Die Glocke online, 14.04.2012

  Gütersloh (din) - Knapp 7000 Unterzeichner haben 2011 das Aktionsbündnis für ein sportgerechtes Hallenbad unterstützt. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hat die Bäderleitung beauftragt, einen Neubau am Nordbad samt Lehrschwimmbecken zu planen und die Kosten für einen Drei-Meter-Sprungturm zu prüfen. Beide Varianten – mit und ohne Sprungturm – dürften nach Informationen der „Glocke“ den Kostendeckel von fünf Millionen Euro übersteigen.  

Mit dem Anfang des Jahres angetretenen SWG-Geschäftsführer Ralf Libuda (42) wurden die Planungen gleichsam wieder auf Null gesetzt. Die Stadtwerke beauftragten die Bielefelder Ingenieursgesellschaft Constrata mit der Planung des neuen Hallenbads. Constrata ist nach eigenen Angaben in Deutschland Marktführer im Bereich Sport- und Freizeitbäder und hat etwa in Osnabrück im Auftrag der Stadtwerke den Neubau des Nettebads realisiert, als Libuda dort kaufmännischer Leiter war.

Gleichzeitig wurde eine Planungsgruppe einberufen, zu der vom Aktionsbündnis auch Peter Offers (Vorsitzender Gütersloher Schwimmverein), Annette Böker (zweite Vorsitzende der Behinderten-Sportgemeinschaft) und Hans-Dieter Hucke (Vorsitzender Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und CDU-Ratsherr) gehören. Bei einem zweiten Treffen im März stellte Constrata erste Ergebnisse vor. Danach soll das neue Hallenbad ein 25-Meter-Schwimmbecken mit fünf Bahnen und ein gut 1,80 Meter tiefes Lehrschwimmbecken mit Hubboden umfassen. Außerdem sind Umkleiden vorgesehen. Schon diese Variante erreicht nach Informationen der „Glocke“ die vom früheren SWG-Geschäftsführer Lorenz Siepe genannte Grenze von fünf Millionen Euro. Dem Vernehmen nach sollen alle früheren Kostenschätzungen – etwa 3,4 Millionen Euro für eine reine Schwimmhalle – auch deshalb zu niedrig gewesen sein, weil Planungskosten nicht enthalten waren.

Ein Sprungturm ist bislang nicht vorgesehen. Er würde das Vorhaben samt einer notwendigen Vertiefung des Schwimmbeckens und baulicher Anpassungen um einen mittleren sechsstelligen Betrag verteuern. Zwei mögliche Standorte haben sich herauskristallisiert: zwischen Aufsichtsgebäude und Kasse, wie ursprünglich geplant, und entlang der Goethestraße, wo sich jetzt Duschen und Sammelumkleiden befinden.

Parallel, so will es die Arbeitsgruppe, sollen auch die Sanierungskosten für das Hallenbad, die auf 5,2 Millionen Euro veranschlagt wurden, neu berechnet werden. Ralf Libuda und Bäderchef Michael Sucker waren am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Mit dem Lehrschwimmbecken wird eine zentrale Forderung des Aktionsbündnisses erfüllt. Mit dem Verzicht auf einen Sprungturm und auf ein tieferes Becken werden zwei Forderungen vor allem der DLRG und des Tauchsportclubs indes nicht erfüllt.

„Wir können dann unsere Ausbildung nicht mehr durchführen“, sagte der DLRG-Vorsitzende Hans-Dieter Hucke auf Anfrage der „Glocke“. Für Rettungsschwimmer, Schwimmscheine und die Ausbildung von Aufsichten sei ein Sprungturm Voraussetzung. Letztlich werde mit einem Verzicht die ganze Arbeit der DLRG gefährdet bis hin zum sommerlichen Aufsichts-Einsatz in Pelzerhaken (Ostsee), wenn es an Rettungsschwimmern mangele.

Nach Herzebrock, Sennestadt oder im Sommer ins Nordbad auszuweichen, wie vorgeschlagen, sei nicht praktikabel sagte Hucke. Bei einer Beckentiefe von zwei Metern werde auch der Tauchsportclub seine Arbeit einstellen müssen.

Hucke: „Es war klar, dass das Büro von den Stadtwerken eingenordet wird.“ Ohne Sprungturm sei womöglich die Sanierung des heutigen Hallenbads die bessere Lösung, erklärte der Rettungsschwimmer. Als letzte Option schloss er auch ein Bürgerbegehren nicht aus, mit dem die Gütersloher Vertreter im Aufsichtsrat entsprechend angewiesen werden könnten. Die notwendigen Unterschriften „bekommen wir locker zusammen“, sagte Hucke. „Das ist überhaupt kein Problem.“ Er will dies allerdings ausdrücklich „nicht als Drohung“ verstanden wissen.

Weiterhin Bürgerhaushalt in Gütersloh

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nw-news, 13./14.03.2012
Ungewöhnlicher Sitzungsverlauf im Hauptausschuss
 Gütersloh (hko). In Gütersloh wird es auch in diesem Jahr einen Bürgerhaushalt geben. Nach einer langen Diskussion im Hauptausschuss und einer überraschenden Abstimmung setzten sich SPD, Grüne und Linke gestern mit ihrem Vorschlag auf eine Weiterführung im anonymen Verfahren durch. Lediglich die Vertreter der UWG und FDP waren gegen die Fortführung. Enthaltungen gab es von der BfGT und von der CDU, die noch vor einer zehnminütigen Unterbrechung bloß eine extrem abgespeckte Variante unterstützten wollte.
SPD-Chef Thomas Ostermann sei zwar von der Beteiligung am Bürgerhaushalt (für den Etat 2011: 1,7 Prozent; für 2012: 0,43 Prozent) enttäuscht. Doch sei es ein auf lange Sicht ausgelegtes Instrument, bei dem nach zwei Jahren noch nicht abschließend geurteilt werden könne. Der Grünen-Vorsitzende Marco Mantovanelli wollte nicht von einem Misserfolg sprechen und forderte eine Fortsetzung "in der technisch einfachsten Variante ohne externe Moderation". Zudem solle es eine allgemeine Plattform sein fürs kommunale Vorschlagswesen. Manfred Reese (Die Linke) hatte beantragt, ganzjährig Bürgervorschläge machen zu können.

CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer hätte sich von der Verwaltung eine klare Vorgabe gewünscht. Doch diese hatte in ihrer Vorlage nur das offensichtliche Scheitern des Verfahrens festgestellt, über die Zukunft des Bürgerhaushalts sollte die Politik entscheiden. Die CDU argumentierte dabei bis zur Abstimmung für die Variante 3: Bürgervorschläge per Email und ohne Abstimmungsmöglichkeit. Dies mache der Verwaltung am wenigsten Arbeit. Genauso sah es angesichts der Haushaltskonsolidierung Peter Kalley (UWG). Von Befürwortern zu Skeptikern habe sich die BfGT entwickelt, sagte Norbert Morkes. Seiner Meinung nach seien die Themen ausgereizt und das Kosten-Nutzen-Verhältnis unausgeglichen. Für Wolfgang Büscher (FDP) seien die Möglichkeiten der Plattform "sehr gering".
 

Zweifel der Beigeordneten

Anke Knopp von der Bürgerinitiative "Demokratie wagen" war nach der Sitzung froh, dass der Bürgerhaushalt nicht leichtfüßig aufgegeben werde.

Für Gütersloh hatte die 1. Beigeordnete Christine Lang den Nutzen eines neuerlichen Bürgerhaushalts für den Etat 2013 deutlich angezweifelt. Nun wird die Stadt ab dem 25. August den Weg frei machen: für die dritte Runde Bürgerhaushalt.
 

Gütersloh will günstigen Bürgerhaushalt, nw-news, 14.03.2012
CDU-Chef Kollmeyer: Abstimmungsverhalten im Hauptausschuss "keine 180-Grad-Wendung"
 
Gütersloh (hko). Für Christine Lang ist die Fortführung des Bürgerhaushalts (die NW berichtete gestern über die Abstimmung: SPD, Grüne und Linke waren dafür, UWG und FDP dagegen, CDU und BfGT enthielten sich) nicht überraschend gekommen. "Ich weiß, dass sich die Politik mit dem Thema schwer tut und kann das auch ein Stück weit nachvollziehen", sagte die 1. Beigeordnete der Stadt Gütersloh, die die Ideenplattform nach den beiden Durchgängen für die Haushaltsetats 2011 und 2012 wegen der geringen Beteiligung bereits für gescheitert erklärt hatte. Dass es ab August die dritte Auflage geben wird, liegt dabei auch an ihr.
Aufgrund des Diskussionsverlaufs hatte Lang gesagt, dass es für die Verwaltung irgendwie möglich sei, das Beteiligungsangebot aufrecht zu erhalten - auch ohne hohe externe Kosten und offenbar auch ohne den in der Sitzungsvorlage beschriebenen Aufwand (die benötigte Arbeitszeit pro Vorschlag schätzte sie auf NW-Anfrage auf eine Stunde). An diesem Punkt wurde die CDU stutzig, die bis dahin nur für eine abgespeckte Haushaltsversion stimmen wollte. In einer vom grünen Plattformpartner beantragten Pause wurde erneut diskutiert - und auch Lang zu ihrer Aussage befragt, sagte CDU-Chef Heiner Kollmeyer. Er deutete Langs Aussage als Zurückrudern von der skeptischen Haltung: "Warum sollen wir dann nicht weitermachen", sagte Kollmeyer.

Dabei sei die CDU grundsätzlich entscheidungsoffen gewesen, betonte Kollmeyer. "Wir waren nicht euphorisch dafür, aber auch nicht die, die alles kaputt machen." Er und die anderen Christdemokraten hätten die Wortbeiträge abgewartet und sich bei der Abstimmung nach nach der Sitzungspause und einer Diskussion mit den Plattformpartnern schließlich enthalten. Für ihn sei dies "keine 180Grad-Wendung". Die CDU sei nur mit weniger Herzblut beim Bürgerhaushalt gewesen als die Grünen, die wie die SPD und die Linke vehement für einen erneuten Bürgerhaushalt plädierten. Etwas enttäuscht sei er gewesen, "dass die Verwaltung keinen klaren Vorschlag gegeben habe".

"Wir können damit leben", sagte Lang. Dies ändert nichts daran, dass sie sich besonders die Frage gestellt habe, inwiefern die Abstimmung gebraucht werde und was diese bringe: "Für mich gesagt, hat diese keine Rolle gespielt." Allerdings sei auch die Verwaltungsvorlage ohne eine klare Beschlussempfehlung ein interner Kompromiss gewesen, sagte Lang. Bei der Stadt habe es dabei die gesamte Bandbreite an Meinungen zum Ideen-Haushalt gegeben - von großer Kritik bis zum positivem Votum. Nicht zuletzt hatte Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) gemeinsam mit den anderen Genossen für die Fortsetzung des Bürgerhaushalts gestimmt.

Bürgerhaushalt erlebt eine Neuauflage

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Die Glocke online, 12.03.2012

 Gütersloh (din) - Der Bürgerhaushalt erlebt zu den nächsten Haushaltsberatungen im Herbst eine Neuauflage. Das hat am Montag der Hauptausschuss nach einer Sitzungsunterbrechung überraschend mit den Stimmen von SPD, Grünen, Linken und von Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) beschlossen. CDU und BfGT enthielten sich, FDP und UWG stimmten mit Nein. Das Beteiligungsverfahren wird erneut zweistufig mit einer Vorschlags- und einer Abstimmphase durchgeführt – und das wieder anonym. Laut der Ersten Beigeordneten Christine Lang ist das nach Auskunft des Datenschutzbeauftragten des Landes NRW zwingend. Schon im vergangenen Jahr hätte die Möglichkeit demnach eingeräumt werden müssen. Die Pflicht zur namentlichen Anmeldung in der Vorschlagsphase war wiederholt als ein Grund für die geringe Resonanz genannt worden.

Zuvor hatten Sprecher der Fraktionen und die Verwaltung ein überwiegend negatives Fazit gezogen. „Beide Jahre haben nicht den Erfolg gebracht, wie wir uns das gewünscht haben“, sagte CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer. Er votierte für eine günstige Variante, nach der die Bürger per E-Mail Vorschläge für die Haushaltsberatungen machen können, über die aber nicht im Internet abgestimmt wird.

Zwei Jahre seien zu kurz für eine endgültige Bewertung, meinte hingegen SPD-Fraktionschef Thomas Ostermann. Im Sinne einer Beteiligungsmöglichkeit solle der Bürgerhaushalt beibehalten werden. Man müsse ihm „Zeit geben“, sagte Ostermann. Er erinnerte an einen Bürgervorschlag zur Vergnügungsteuer. Mit den Einnahmen daraus finanziere sich der Bürgerhaushalt mehr als selbst.

Marco Mantovanelli (Grüne) sagte: „Das Internet als Medium der politischen Willensbildung ist im Kommen.“ Man dürfe die Flinte nicht zu früh ins Korn werfen. Als zu teuer und zahlenmäßig enttäuschend wertete FDP-Fraktionschef Dr. Wolfgang Büscher das Ergebnis: „Die Zeit scheint noch nicht reif zu sein.“

Dr. Anke Knopp von der Initiative „Demokratie wagen!“ sagte nach der Abstimmung: „Wir sind total glücklich über den Erfolg an dieser Stelle.“ Es sei gut, dass der Bürgerhaushalt nicht leichtfüßig aufgegeben worden sei.

 

Kommentar: Detlef Fiedrich,          12.03.2012

Überraschenderweise hat sich doch in der Hauptausschusssitzung eine politische Mehrheit gefunden, die Demokratie weiter wagen will, heißt, der Bürgerhaushalt wird beibehalten. Das ist gut so. Einmal auch deshalb, weil der letzte Bürgerhaushalt so nicht durchgeführt werden durfte, wie es Datenschutzbeauftragte nicht nur in NRW, sondern auch in Berlin sehen. Anonymität ist zwingend notwendig, geht es doch um die Sache und nicht um Personen, die nun Vorschläge und nicht nur Sparvorschläge machen können. Im Hinblick auf die kommenden Diskussionen und Vorentscheidungen bezüglich der anstehenden Konversion eine ganz wichtige Entscheidung hier die Bürgerinnen und Bürger Güterslohs durch ein Internetverfahren abstimmen zu lassen. Aber auch weitere Großbaustellen wie das Hallenbad, Stadthalle, Schulentwicklung (Inklusion), Feuerwehrhaus- um nur einige anstehende Projekte zu nennen, die umgesetzt werden müssen, können nun ebenfalls im Internet anonym gevotet werden. Das lässt hoffen.                  

Experiment für gescheitert erklärt

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nw-news, 10.03.2012

Beim zweiten Bürgerhaushalt ist die Beteiligungsquote drastisch geschrumpft

VON RAINER HOLZKAMP 

Gütersloh. Der zweite Bürgerhaushalt wird wohl auch der letzte gewesen sein. Grund ist die rapide nachgelassene Resonanz im Vergleich zum Etat für 2011. Lag die Beteiligungsquote im Vorjahr bei zwar nicht berauschenden, aber für die Beteiligten noch akzeptablen 1,7 Prozent der Gütersloher Bevölkerung, so ist sie jetzt auf 0,43 Prozent geschrumpft. Bei den Abstimmungen im Internet über die Vorschläge gingen die Zahlen sogar noch weiter in den Keller. Selbst beim populären Thema Hallenbad stimmten lediglich 251 Personen ab - das sind 0,26 Prozent der Einwohner. Die ernüchternden Zahlen sind Bestandteil einer Vorlage der Verwaltung für den Hauptausschuss am kommenden Montag, 12. März, hervor.

Kämmerin Christine Lang kommt darin zu dem Fazit, dass der Bürgerhaushalt "gescheitert" ist - jedenfalls "als von breiten Schichten der Bevölkerung genutztes Instrument zur Information über die Haushaltssituation und umfassenden Beteiligung am Haushaltsverfahren". Gleichwohl wollte Lang keine Empfehlung abgeben, ob und wie das Verfahren des Bürgerhaushalts fortgesetzt werden soll. Das sei vom Ausschuss zu entscheiden. 

Die Kämmerin zeigte lediglich Alternativen zum bisherigen Procedere auf. Denkbar wäre demnach eine zeitgleiche Vorschlags- und Abstimmungsphase. Als Mindestvariante bestände die Möglichkeit, Bürgervorschläge lediglich per E-Mail oder telefonisch entgegenzunehmen, ohne darüber abstimmen zu lassen. Diskutiert werden könnte darüber jedoch in den Haushaltsberatungen. 

Lang geht ohnehin nicht davon aus, dass künftig noch umsetzbare Einsparvorschläge mit relevantem Volumen abgegeben werden. So äußerte sie sich im Zusammenhang mit dem Terminplan für die kommenden Etatberatungen mit den Worten: "Nach mehreren Konsolidierungsprozessen setzt sich die Erkenntnis durch, dass kurzfristig kein nennenswertes Einsparpotenzial mehr im städtischen Haushalt steckt." 

Der in Gütersloh beobachtete Abwärtstrend wurde auch in anderen Städten verzeichnet. In der NRW-Vorreiterstadt Köln, wo der erste Bürgerhaushalt nach jahrelanger Vorarbeit bereits 2007 an den Start ging, lag die Beteiligungsquote zuletzt auch nur noch bei 0,7 Prozent in Frankfurt ähnlich wie in Gütersloh bei 0,4 Prozent.  

Der Kreis Gütersloh hat seinen auf zwei Jahre angelegten Versuch gar bereits nach einem Jahr wieder eingestellt. Von gerade einmal 90 Nutzern der Internetplattform wurden 21 Vorschläge eingereicht. Daraufhin hat der Kreisausschuss Ende Februar beschlossen, das Verfahren abzubrechen.

Abrüsten für die Energiewende

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www.nw-news.de vom 25.01.2012

Gütersloh. (von Rolf Birkholz) Noch ist nicht sicher, ab wann die Briten ihre Gütersloher Garnison aufgeben, von 2020 war zuletzt die Rede. Ebenso unklar ist, was dann zumal mit dem 340 Hektar großen Flughafengelände passiert. Einheimische Initiativen wollen sich dafür einsetzen, mit möglichst breiter Bürgerbeteiligung zu planen. Die Attac Regionalgruppe sowie die Initiativen "Energiewende Gütersloh" und "Demokratie wagen!" hatten jetzt zum Thema "Gütersloh rüstet ab - Flughafen als Bürgerenergiepark?" eingeladen. Rund 40 Interessierte waren ins Bambi-Kino gekommen. Denn Referent Kurt Gramlich von "Energiewende" hatte einen Filmspot mitgebracht, in dem die Soul-Sängerin Angela Brown dazu aufruft, die Klimaveränderung aktiv zu verlangsamen. Für seine Initiative ist die Energiefrage das umfassendere Anliegen, die künftige Nutzung des Flughafengeländes aber ein wichtiger Aspekt dabei.

Nach einem Bericht über die Tagung zur Konversion des Militärgeländes in der Stadthalle im Oktober stellte der gebürtige Freiburger, der, wie er sagte, Mitte der 70er Jahre im Kampf gegen das Atomkraftwerk Wyhl für Umweltschutzbelange sensibilisiert wurde, drastisch die alltägliche wie auch die schon etwa bei der Stromerzeugung durch Großanlagen stattfindende Energieverschwendung dar.

"Das Energie-System ist so nicht nachhaltig", sagte Gramlich, man müsse das "radikal ändern." Als einen möglichen Ort für dezentrale Energiegewinnung beschrieb Gramlich das Flughafenareal: Als einen "Bürgerenergiepark" in Bürger- statt in Konzernhand, mit dem im Idealfall erreicht werden könne, "dass der Kreis Gütersloh sich selbst versorgt." Gütersloh müsse eine hoch angesiedelte "Stabsstelle Klimaschutz" einrichten.

"Wir wollen uns einmischen", bekräftige der Referent, gestand aber zu, beim Flughafengelände nicht auf den Energiesektor fixiert, sondern inhaltlich offen sein zu müssen. Jemand schlug ein entsprechend offenes "Bürgerforum Flughafenkonversion" vor. Es kam auch die Idee auf, eine Genossenschaft zu bilden und die Fläche selbst - auch mit Beteiligung örtlicher Kreditinstitute oder der Stadtwerke - zu kaufen. Eigentümerin ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Planungshoheit liegt bei der Stadt. Gramlich nannte das Gelände "ein Goldstückchen, das nicht verscherbelt werden darf."

Detlef Fiedrich ("Demokratie wagen!") regte ein Netzwerk aller Interessierten an. Kurt Gramlich: "Was mir fehlt, sind die Jugendlichen." Es gehe nämlich darum, die Umwandlung so zu gestalten, dass die Nachkommen bestätigten, man habe "die richtige Entscheidung " getroffen.

Am Klinikum rollen die Bagger schon an

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Neue Westfälische, Gütersloh im Dez.2011

von Ludger Osterkamp / NW Gütersloh, 17.12.2011

Gütersloh. Nur drei Tage nach der Bürgerversammlung haben am Städtischen Klinikum die Vorarbeiten für die geplante Erweiterung begonnen. Bürger und Anwohner fühlen sich überrollt. „Unter einer Bürgerbeteiligung stelle ich mir etwas anderes vor“, sagte am Freitag Dr. Wilhelm Ahlert. Der 70-jährige Orthopäde sagte am Freitag, bei einem derartigen baulichen Vorpreschen verkomme eine Bürgerversammlung wie am Montagabend zu einer Alibiveranstaltung. „Wir werden über die Pläne informiert, dürfen etwas dazu sagen, aber im Grunde ist längst alles festgezurrt.“ Ahlert und seine Mitstreiter Robert Friedrichs und Hans-Joachim Heese zeigten sich gestern konsterniert, dass an Brunnen und Virchowstraße das Abholzen bereits begonnen habe. „Mich stört, dass ein langfristig wirkendes Projekt derart durchgepaukt wird“, sagte der 69-jahrige Orthopäde Robert Friedrichs. Es sei kaum Gelegenheit, sich grundsätzliche Gedanken zu machen, etwa über einen Neubau. „Ich fühle mich überfahren“, sagte Friedrichs. Dass die frühzeitige Bürgerbeteiligung mit Offenlegung des Bebauungsplanes in die Weihnachtszeit gelegt werde, wo viele Menschen anderes im Sinn hätten, passe ins Bild. Bis 29. Dezember haben Bürger Gelegenheit, die Pläne im Rathaus einzusehen und Anregungen vorzubringen.

Ahlert sagte, diese Frist sei viel zu kurz. Er habe vor gut zehn Tagen den Bebauungsplan einsehen wollen, habe aber aus dem Rathaus den Hinweis bekommen, dass sei erst ab dem Tag der Bürgerversammlung, also am vergangenen Montag, möglich. Dabei war der Aufstellungsbeschluss bereits im Juli gefallen. Ferner, so Ahlert, warte er auf das Protokoll von der Montagsversammlung. „Dabei war es uns binnen 24 Stunden versprochen worden.“ Auf diese Weise werde der Bürger hingehalten, um wenig Zeit für Einwände zu haben. „Für uns Bürger wird ein künstlicher Zeitdruck geschaffen, das ist nicht in Ordnung.“

Klinikum-Geschäftsführerin Maud Beste sagte am Freitag, sie habe viel Verständnis für Sorgen, aber den Vorwurf, die Bürger würden überfahren, weise zurück. „Wir waren von Anfang an bemüht, so offen wie möglich mit den Dingen umzugehen.“ Beste verwies darauf, dass bereits Ende Juni, vor dem Feststellungsbeschluss, das Klinikum zu einer Anwohnerversammlung geladen hatte. 450 Schreiben waren dazu verteilt worden, 70 bis 80 Interessenten seien gekommen. „Uns ist wichtig, dass alle wissen, was hier passiert.“

Während der zweiwöchigen Offenlage im Rathaus und Internet habe jeder Bürger die Möglichkeit, sich zu äußern. Ab Januar werte der Fachbereich Stadtplanung die Stellungnahmen aus. Im Frühjahr werde sich der städtische Planungsausschuss mit den Anregungen befassen, danach folge eine weitere vierwöchige Offenlage der Pläne. „Ich kann nicht erkennen, dass da jemand übergangen wird.“ Das Abholzen der Bäume auf dem Klinikumsgelände sei erfolgt, um Abwasserkanäle verlegen zu können - Voraussetzung, um später mit den Baumaßnahmen beginnen zu können. Der Kahlschlag sehe nicht schön aus, aber er sei nur vorübergehend. „Wir werden aufforsten und ganz viel tun, um das Gelände wieder zu begrünen.“

In der Bürgerversammlung am Montag hatten sich viele Teilnehmer kritisch zu den Plänen geäußert. Sorgen löste vor allem das geplante Parkhaus an der Ecke Virch0W-/Brunnenstraße aus. Zwölf Meter hoch, fürchten sie die Massivität des Baus. Gleiches gilt für das elf Meter hohe Ärztehaus Il. Die Stadt teilte gestern mit, den Parkhaus-Plan in Bezug auf Schall- und Lichtimmissionen zu überarbeiten. Auch die Hinweise des Gestaltungsbeirates würden berücksichtigt. Ferner sei ein Planungsbüro beauftragt, einen neuen Entwurf einer 3-D-Ansicht anzufertigen, auf der die spätere Begrünung des Gebäudes und der Fläche am Parkhaus besser sichtbar werde.

Während Kritiker wie Ahlert, Friedrichs und Heese fürchten, dass die Erweiterung des Klinikums und das Parkhaus mehr Autos anziehen, geht die Stadt nicht davon aus. Laut Gutachten des Ingenieurbüros Blanke Ambrosius fänden mit dem Parkhaus Besucher und Mitarbeiter künftig schneller einen Parkplatz; dadurch würden die Straßen von Suchverkehr und wildem Parken entlastet. Weiter heißt es: „An allen an das Klinikum angrenzenden Straßen sind Kapazitätsreserven von mehr als 50 Prozent vorhanden.“

Aktuell wird laut Stadt zudem überlegt, ob die Route der Buslinie umgelegt werden kann. Nach den am Montag vorgestellten Plänen soll der Bus über Park- und Brunnenstraße fahren, mit einer Haltestelle vor dem neuen Hauptzugang zwischen Ärztehaus II und Parkhaus, und weiterem Verlauf über die Virchowstraße. Ahlert: „Die Anwohner haben gelacht über diesen Plan. Sie halten es für nahezu unmöglich, dass der Bus von der Park- in die Brunnenstraße kommt.“

Ahlert sprach bei der Bürgerversammlung vielen Teilnehmern aus dem Herzen, als er den Standort des Klinikums mitten in einem Wohngebiet grundsätzlich ungeeignet nannte und für eine Verlegung plädierte. Die Funktionalität des Klinikums sei durch jahrzehntelanges Anbauen nicht mehr gegeben. Die ungünstigen Arbeitsabläufe wirkten sich negativ auf Patienten, Mitarbeiter und Kostenstruktur aus. Daran würden auch 50 Millionen Euro Investitionen nichts ändern. Friedrichs sagte, mit dem Abzug der Briten würden in wenigen Jahren große Flächen frei. Das biete eine einmalige Chance, ein Zukunftskonzept fürs Klinikum zu entwickeln. „Bis dahin sollte ein Baumoratorium gelten.“

Beste lehnt Diskussionen über einen Neubau grundsätzlich ab. „Der kostet 150 bis 170 Mio. Euro, und das Land gibt für so etwas keinen Zuschuss mehr.“ Vor zehn Jahren sei das möglicherweise noch eine Option gewesen, heute nicht mehr.

 

Naturschützer bestürzt über Rodung am Klinikum (NW Gütersloh, 19.12.2011)

Rechtliche Schritte vorbehalten / Krankenhaus mangelnde Beteiligung vorgeworfen / Hinweise auf geschützte Fledermausarten 

Gütersloh (ost). Der Bund für Umwelt- und Naturschutz i (BUND) hat sich bestürzt über die Arbeiten am Stadtischen Klinikum geäußert. „Als formal beteiligte Institution des ehrenamtlich getragenen Naturschutzes fühlen auch wir uns völlig überrollt“, sagte der Gütersloher BUND-Vorsitzende Achim Hertzke gestern. „Wir fordern den sofortigen Stopp allerArbeiten, um die demokratisch und rechtsstaatlich gebotenen Beteiligungsvorarbeiten leisten zu können und weiteren, nicht absehbaren Schaden für geschützte Tierarten zu vermeiden.“ Der Verband behalte sich rechtliche Schritte gegen die verantwortlichen Institutionen vor.

Die Erklärungen der Klinikleiterin Maud Beste (NW von Samstag) seien keinesfalls überzeugend. Hertzke äußerte den Verdacht, es würden vollendete Tatsachen geschaffen, „die eine umfassende demokratische und fachliche Beschäftigung mit dieser Baumaßnahme überflüssig machen“. Zusätzlich zum Baustopp forderte der BUND, einen runden Tisch einzuberufen. Für das Beteiligungsverfahren, dessen Terminierung in der Weihnachts- und Jahresabschlusszeit unglücklich zu nennen sei, sei die Frist zu verlängern. 

Hertzke sagte, das Vorgehen der Klinik werfe Fragen auf. „Wer hat die Fällung von Bäumen, Grünrodungen und Erdarbeiten zur angeblichen Vorbereitung von Abwasserkanalarbeiten zum jetzigen Zeitpunkt veranlasst? Sind Bäume, die der Baumschutzsatzung unterliegen, gefüllt worden? Hat die zuständige Stelle eine Ausnahmegenehmigung erteilt, wenn ja, mit welcher Begründung? Die gefällten Bäume sind samt Wurzeln entfernt und überwiegend sofort abtransportiert worden. Sollten hier Spuren beseitigt werden?“ Hertzke verwies darauf, dass ein rechtskräftiger Bebauungsplan noch nicht existiere.

Er kritisierte ferner, dass der BUND die Unterlagen zur Verbandsbeteiligung erst am 17. Dezember erhalten habe — vier Tage nach Beginn der Beteiligungsfrist. Zudem habe der Gutachter, der eine artenschutzrechtliche Prüfung für das Gebiet vorgenommen hat, den Hinweise auf Fledermausvorkommen gegeben; als günstigen Zeitraum für den Eingriff habe er September, Oktober genannt - nicht aber Dezember.  

 

"Bauarbeiten am Klinikum genehmig“ (NW Gütersloh, 20.12.2011)

Gütersloh (gpr). Die vorbereitenden Arbeiten für ein zweites Ärztehaus und ein Parkhaus auf dem Gelände des Städtischen Klinikums stehen nicht im Widerspruch zum jetzt eingeleiteten Bebauungsplanverfahren. Das hat gestern das Klinikum mitgeteilt.

Mit Bezug auf die gestern geäußerte Kritik des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) verweist das Krankenhaus darauf, dass die Bauarbeiten und die Fällung der Bäume genehmigt seien. Klinikums-Geschäftsführerin Maud Beste: „Für den Bau des Ärztehauses und die Tiefgarage sowie den ebenerdigen Bau des Parkhauses hat der Investor Fechtelkord und Eggersmann einen gesonderten Bauantrag gestellt, für den es keiner Änderung des Bebauungsplans bedarf, denn die Arbeiten beziehen sich auf einen so genannten ,unbeplanten Innenbereich’ des Geländes.“

Auch in der Bürgerversammlung vergangene Woche sei seitens des Fachbereichs Stadtplanung darauf verwiesen worden, dass eine Bebauung an dieser Stelle möglich sei, sofern sich das Bauvorhaben in seiner Größe den Gebäuden der Umgebung anpasse (Paragraph 34 Baugesetzbuch). Auch das Ärztehaus I sei auf dieser Basis entstanden. Das Bebauungsplanverfahren wiederum beziehe sich auf die übrige Planung, die in der Bürgerversammlung ebenfalls vorgestellt wurde.

Vorbereitend für die Baumaßnahmen am Klinikum wurden in dieser Woche an der Ecke Virchowstraße/Brunnenstraße Bäume und Sträucher entfernt. Die Fällungen waren laut Stadt notwendig, um Platz für einen öffentlichen Abwasserkanal zu schaffen, der parallel zur Brunnenstraße entlang des geplanten Parkhauses verlaufen müsse. Die erforderliche Genehmigung, dabei auch Bäume, die der Baumschutzsatzung unterliegen, zu fällen, habe der städtische Fachbereich Grünflächen erteilt.

Hintergrund: Alle Bäume, die einen Stammumfang von mehr als einem Meter haben, fallen unter die Baumschutzsatzung und dürfen nicht ohne Genehmigung gefällt werden. Eine Befreiung erfolgt nur dann, wenn es keine bauliche Alternative gibt. In diesem Fall, so das Klinikum, sei nur so der Verlauf eines notwendigen Schmutzwasserkanals zu realisieren. Die Genehmigung sei auch mit der Pflanzung gleichwertiger Ersatzbäume verbunden. Im Abstand von etwa 1,5 Metern vom Abwasserkanal, so Maud Beste, würden Baume gesetzt, die bereits einen stärkeren Stammumfang hätten und das Gelände aufwerteten. Des weiteren werde man wieder Sträucher setzen, die das Gelände begrünen würden.

Der BUND-Vorsitzende Achim Hertzke hatte gestern darauf verwiesen, dass laut artenschutzrechtlichem Gutachten Fledermäuse auf dem Klinikumsgelände beheimatet seien. Die Stadt teilte gestern mit, dass während zweier Abend-Begehungen im Mai die Breitflügelfledermaus, die Zwergfledermaus und der Große Abendsegler nachgewiesen worden seien, jedoch nicht in dem Bereich, wo jetzt Bäume und Sträucher weichen mussten. Auf dem gesamten Klinikumsgelände habe der Gutachter sieben zu erhaltende Bäume mit „Habitatsfunktion“ klassifiziert, die als Fledermausquartier geeignet seien. Beste: „Keiner dieser Bäume wird gefällt, gleichwohl werden zusätzlich Fledermauskästen als mögliche Ersatzquartiere eingerichtet.“

Die Stadt wies gestern erneut darauf hin, dass sich die Gütersloher Bürger im Rahmen der Offenlage noch bis zum 29. Dezember über die gesamten Baupläne des Klinikums informieren und Anregungen einbringen können. Ab Januar werte der städtische Fachbereich Stadtplanung die Stellungnahmen aus. Im Frühjahr werde sich der Planungsausschuss mit den eingegangenen Anregungen befassen.

Bürgerbeteiligung sehr gering: 34 Nutzer

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Die Glocke, Gütersloher Volkszeitung, 10.12.2011

Kreis Gütersloh (gl). Die Beteiligung von Bürgern an der Aufstellung des Kreishaushalts 2012 ist alles andere als ein Renner: Gerade einmal 34 Nutzer hatten sich bis Freitagmittag angemeldet — angesichts von mehr als 350 000 im Kreis lebenden Menschen eine sehr ernüchternde Zahl. Auf der anderen Seite meldet die Kreisverwaltung rund 400 Zugriffe pro Tag auf das erstmals eingerichtete Internetportal. Neun Vorschläge sind seit Vorlage des Etatentwurfs am 28. November im Kreistag anonym eingereicht worden. Sieben hat die Verwaltung mit einer Stellungnahme öffentlich zugänglich gemacht, zwei wurden wegen fehlender Zuständigkeit nichts ins Netz gestellt.

Die Mehrheit der zumeist mit Mehrausgaben verbundenen Vorschläge findet bei den Bürgern, die sich an der parallel laufenden Abstimmung beteiligt haben, keine Zustimmung. Nur zwei Anregungen — Überprüfung der Sportförderung und gebundener Ganztag an allen Förderschulen — haben mehr Befürworter als Gegner. Gleich viele Ja- und Neinstimmen gab es bei der Forderung nach mehr Tempokontrollen auf den Kreisstraßen und Autobahnen. Insgesamt wurden bisher 66 Stimmen abgegeben, 32 für und 26 gegen einen Vorschlag. Acht Bürger legten sich nicht fest.

Das größte Interesse findet nach wie vor die unmittelbar nach der Freischaltung des Portals erhobene Forderung nach einer Beteiligung des Kreises am Theater Gütersloh. Sieben Bürger stehen hinter diesem Vorstoß, neun lehnen ihn ab. Der Vorschlag ist auch der einzige des gesamten Portals, der von anderen Nutzern kommentiert worden ist. Zweimal wird das Ansinnen abgelehnt („Wer die Musik bestellt, soll sie auch gefälligst selbst bezahlen“; „Die Theaterbesucher sollen gefälligst kostendeckende Preise bezahlen"). Ein Befürworter schreibt dagegen, dass der Kreis das Theater laut Gemeinde- und Kreisordnung des Landes durchaus als Komplementäraufgabe übernehmen könnte.

Angesichts der Diskussion in Rietberg um einen Skatepark eine solche Anlage kreisweit einzurichten, lautet ein weiterer Bürgervorschlag (eine Ja-, vier Neinstimmen, zwei Enthaltungen). Keine Mehrheiten finden auch die Forderungen, die Volkshochschulen vom Kreis fördern zu lassen und ehrenamtliche Vereine mehr zu unterstützen.

Bis zum 20. Dezember können Bürger Vorschläge zum Kreishaushalt einreichen, wenn sie sich zuvor bei dem Internetportal angemeldet haben. Die Registrierung ist auch für die noch bis zum 9. Januar laufende Abstimmungsphase sowie zur Kommentierung der Vorschläge erforderlich. Die Bürgeranregungen fließen in die Haushaltsberatungen der Kreispolitiker ein. Der Etat soll am 5. März verabschiedet werden.

www.kreis-guetersloh.de

Initiative fordert eine öffentliche Anhörung

Quelle: 
Die Glocke - Gütersloher Volkszeitung, 02.12.2011

Gütersloh (din). Die Bürgerinitiative ,,Demokratie wagen!" fordert in einem Schreiben an die Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, Maria Unger, eine Bürgerversammlung zum Thema Hallenbad — Neubau oder Sanierung. Bereits eine Resolution vom 17. November der Initiative und von Vertretern der Vereine im Aktionsbündnis sportgerechtes Hallenbad habe die Bitte nach einer öffentlichen Diskussion beinhaltet, an der sich alle beteiligen können und "in der die Fakten zu Kosten, Plänen und Folgekosten auf den Tisch kommen, bevor diese Entscheidung über mögliche Millionenbeträge in der Politik gefällt wird", heißt es in dem Schreiben. Zur Bedeutung von Bürgerbeteiligung zitiert der Sprecher der Initiative, Jürgen Droop, die Haushaltsrede der Kämmerin Christine Lang: ,,Die Bürger können wichtige Erkenntnisse in einen Entscheidungsprozess einbringen, die einen manchmal zum Umdenken veranlassen oder Kompromisse finden lassen." Allerdings müssten Rat und Verwaltung am Ende den Mut haben zu entscheiden, wo sich kein Kompromiss finden lasse. Das Aktionsbündnis für ein sportgerechtes Hallenbad hatte bis zur gestrigen Aufsichtsratssitzung fast 7000 Unterschriften für ein Hallenbad mit Lehrschwimmbecken und Sprungturm gesammelt. Bis Redaktionsschluss war zum Ausgang der Sitzung nichts zu erfahren.